15. Februar 2018

30 Jahre Jack’s Café

Auszüge: 30 Jahr Zeitung (PDF)

Texte von Urs Tiefenauer


– Jack’s Luft –
nur einmal schnuppern
Vor Jahren lag ein Brief im Briefkasten des «Jack’s».
Entrüstete Eltern einer kleinen
Mittelthurgauer Gemeinde sorgten sich um das Wohl
ihrer (noch nicht ganz erwachsenen) Jugendlichen und
beschuldigten die Geschäftsleitung, gegen die
Vorschriften verstossen und ihre Kinder regelrecht
abgefüllt zu haben. Wie einfach ist doch eine so
lapidare Entschuldigung für ein gemeinsames
«Saufgelage» mit Folgen zu suchen. Auf der anderen
Seite: Wie stolz müssen doch die Jugendlichen gewesen
sein, den Mythos «Jack’s» am eigenen Leib erfahren zu
haben. Ist doch schön, oder? Da könnten einige ein Lied
davon singen…


Der Mythos «Jack’s Café»
«Jack’s» muss unbedingt «Jack’s» bleiben – Ode an etwas Einzigartiges
Das Gebäude an der Bahnhofstrasse 1 vis-à-vis des Weinfelder Bahnhofs hat eine
belebte Geschichte hinter sich. Ein neues, ganz dickes Kapitel mit bis heute ungezählten
Geschichten schlägt Yves Sauter vor 30 Jahren mit der Eröffnung des «Jack’s Café» auf, wohl
nicht ahnend, dass er damit gleichsam eine Institution ins Leben rufen würde. Das «Jack’s»,
wie es in der Öffentlichkeit liebevoll genannt wird, durchlebt Hochs und Tiefs – und hat
rasch eine Ausstrahlung bis weit über die Kantonsgrenze hinaus. Die halbe Schweiz kennt
das «Jack’s». Wenn etwa im Kanton Solothurn ein Geschäft überfallen wird, dann fällt der
Verdacht gleich auf das «Jack’s», Treffpunkt von Gaunern und Ganoven… Und selbst noch
ein Jahrzehnt später verbietet ein örtlicher Bankleiter seinen Lernenden offiziell den Besuch
des «Jack’s»…
Dank intensiver, guter Arbeit und einem steten Kampf um Akzeptanz ändert sich die
öffentliche Wahrnehmung, das «Jack’s» als Spiegel der Gesellschaft jedoch bleibt zum Glück.
Hier ist es ganz normal, dass der Krawatten tragende Direktor neben dem Maurer in
schmutziger Arbeitskleidung ein Bier trinkt. Hier spricht man miteinander, auch wenn das
Gegenüber unbekannt ist. Hier werden Brücken über Generationen und soziale Schichten
geschlagen. Hier werden News verbreitet (gar Zeitungsredaktoren rufen an!). Hier lernen
sich wildfremde Leute kennen, oft Freunde fürs Leben. Hier verkehren so viele verschiedene
Leute, Männer wie Frauen, dass es eigentlich gar nicht möglich ist, dass es so friedlich zu und
her geht. Doch hier lässt man sich einfach leben, hier akzeptiert man sich.
Würde es das «Jack’s» heute noch nicht geben, man müsste es echt erfinden. Die wichtige
soziale Komponente nämlich spricht dem Lokal niemand mehr ab. Längst hat das «Jack’s»
Kultstatus erreicht – und hoffentlich bleibt das noch lange so!
Urs Tiefenauer



1987 – ein Jahr schreibt Geschichte
Matthias Rust landet am Himmelfahrtstag mit einer
Cessna auf dem roten Platz in Moskau. Kondom ist
das Wort des Jahres. In Europa geht erstmals MTV auf
Sendung. Das US-amerikanische Magazin «Time» kürt
Michael Gorbatschow zur Person des Jahres. Bon Jovi
gelingt der Durchbruch. Michael Jackson veröffentlicht
mit dem Album Bad sein lange erwartetes Nachfolge-
Album von Thriller. Bad wird Nummer 1 in 25
Ländern und verkauft sich über 30 Millionen Mal.
Madonna startet zu ihrer «Who’s that Girl» World Tour.
Die amerikanische Grunge-Band «Nirvana»
wird gegründet.
Und: Das «Jack’s Café» wird eröffnet.



Frauenpower – klar: Im «Jack’s»
Als eigentlicher «Fels in der Brandung» prägte
Miri Egger die Geschicke des «geilsten Ladens im
Th urgau während 18 Jahren mit. Das «Jack’s» war
gleichsam Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung
für Frau und Mann – und Miri wusste sich
durchzusetzen, wurde von allen geachtet und
schafft e sich auch bei Behörden Gehör. Während
ihrer Zeit wurden 7 Arbeitsstellen geschaff en. Und
Miri ist an «ihrem Laden» gehangen. Er war wie
eine zweite Stube für sie – die Mitarbeitenden
waren ihre Familie, für die sie sich stets einsetzte,
im Notfall auch gegenüber Behörden. Selbst der
damalige Chef „Amt für Sicherheit“ zollte ihr nach
seiner Pensionierung höchsten Respekt – eine Art
Ritterschlag.


No drugs – eine Selbstverständlichkeit

Zu einer Zeit, als «Kiff en» noch nicht so
verbreitet war und härtere Drogen lediglich
von einer kleinen Gruppe konsumiert wurden,
konnte es schon einmal vorkommen, dass auch
im «Jack’s» einmal ein «Ofen» die Runde
machte. Heute sind zwar Drogen weitverbreitet
und in vielen Kreisen ist «Kiff en» lediglich noch
ein «Gentleman-Delikt. Im «Jack’s» allerdings
wird die Weisung «no drugs» an alle Gäste
rigoros und ohne Pardon durchgesetzt.